Wer fragt, interpretiert nicht!


Von Helga Ranft

Kommunikation führt häufig zu Missverständnissen und vermutlich kann jeder von einem solchen Erlebnis berichten. Manchmal sind die Irritationen schnell geklärt, aber was passiert mit den Situationen, in denen keine Klarstellung erfolgt? Dann wird eine Aussage für „real” gehalten, die erstens eine Interpretation ist und zweitens nicht der Realität entspricht.

Interpretationen führen zu Missverständnissen

Ob in Beziehungen, Freundschaften oder unter Kollegen: Es gibt unzählige Gedanken, die aus solchen Interpretationen entstanden sind und die daraus resultierenden Streitgespräche lassen sich ebenso wenig zählen.

Es fängt häufig mit dem Vorwurf „Du hast gesagt, dass ich …!” an und geht mit der Antwort: „Das habe ich nie gesagt!” oder: „Das hast du falsch verstanden!” bzw. „Daran kann ich mich nicht erinnern!” weiter.

 

Missverständnisse führen zu Streit

Ist der Startknopf gedrückt, ist ein Aussteigen vor dem Ende des emotionalen Sturms nur schwierig umzusetzen. Dennoch kostet der Streit enorm viel Kraft und Energie , um sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben: Scharfe Worte und wenig nette Titulierungen werden dem Gegenüber voller Wut, Trotz und Verletzlichkeit an den Kopf geworfen. Ist der Sturm vorüber, möchte man das Gesagte am liebsten ungeschehen machen.

Wer fragt, vermutet nicht nur

Um diese kräftezehrenden und schmerzverursachenden Szenarien zu vermeiden, gibt es eine einfache Methode. Sie ist tatsächlich super-leicht, doch um den richtigen Zeitpunkt für die Technik „Einfach fragen!” zu erwischen, könnte etwas Übung hilfreich sein.

Der richtige Zeitpunkt

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wenn ich merke, dass

  • in mir der Zorn hochsteigt (und ich die ersten Schimpfworte rauslassen will),
  • ich mich angegriffen fühle (und die Schuld abschieben will),
  • ich mich in der Umstellung auf den Angriffsmodus befinde (das ist ja bekanntlich die „beste“ Verteidigung),
  • ich meine, mich rechtfertigen zu müssen (und anfange, nach Ausreden zu suchen),

Bevor diese automatisierten Mechanismen greifen, heißt es: „Stooooopp!” – Innehalten. Kurz durchatmen und überlegen: „Wie würde ich reagieren, wenn das jetzt nicht so gemeint war?” Bei diesen Gedanken macht das Kopfkarussell eine Vollbremsung.

Neugierig hinterfragen

Nutzen Sie diesen Moment der Gedankenstille und formulieren Sie mit Offenheit und Neugier genau eine solche Frage:

  • „Habe ich dich richtig verstanden, du hast gemeint, dass ich …?”
  • „Habe ich dich richtig verstanden, du hast gesagt, dass ich …?”

Es folgt im Regelfall eine kleine Irritation beim Gegenüber und es dauert einen Moment, bis die Antwort kommt. Dann lohnt es sich, sehr genau hinzuhören. Häufig hebelt die Klarstellung unsere Erwartung aus und wir stellen fest, dass wir etwas ganz anderes verstanden bzw. hineininterpretiert haben.

Streiche des Gehirns

Wie wir Dinge interpretieren, hängt mit unseren Erinnerungen und Erlebnissen, mit unseren Gedanken und Erfahrungen zusammen. Da kein Außenstehender Kenntnis davon hat, was wir wissen, denken, fühlen und erlebt haben, kann niemand davon ausgehen, dass seine Worte anders bei uns ankommen, als er sie gesagt und gemeint hat. (Auch bekannt als Sender-Empfänger-Problem.) Daraus entstehen die Missverständnisse, denen wir mit der leichten „Einfach fragen!”-Methode aus dem Weg gehen können.

Missverständnisse minimieren

Oft liegt uns der Gedanke fern, dass wir etwas falsch interpretieren. Ab jetzt können Sie das in Betracht ziehen, wenn eine Aussage eine Reaktion bei Ihnen auslöst, damit kommen Sie wesentlich eleganter durch Ihren Alltag.

Mit dieser einfachen Methode lassen sich viele Missverständnisse vermeiden und die bessere Kommunikation sorgt für weitere positive Nebenwirkungen. Das Schönste aus meiner Perspektive ist, dass man die eingesparte Energie für wichtigere Dinge nutzen kann.

 


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